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Talentmanagement

Die PIP-Falle: Warum Minderleistung meist falsch diagnostiziert wird

Jede HR-Führungskraft hat einen Ordner mit der Aufschrift 'Leistungsprobleme' — und greift jedes Mal zum selben Drehbuch: PIP, Abmahnung, Austrittsgespräch, von vorn. Doch die Hälfte dieses Ordners ist vielleicht gar kein Leistungsproblem. Sieben Ansätze, um Minderleistung zu diagnostizieren, bevor Sie zum Formular greifen — denn manchmal ist es ein Passungsproblem, ein Feedbackproblem oder ein Führungsproblem, das den Namen einer Mitarbeiterin trägt.

Heba Tannerah3 Min. Lesezeit
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Die PIP-Falle: Warum Minderleistung meist falsch diagnostiziert wird

Jede HR-Führungskraft kennt diesen einen Ordner mit der Aufschrift „Leistungsprobleme". Und jedes Mal, wenn wir ihn öffnen, greifen wir zum selben Drehbuch: PIP (Performance Improvement Plan), Abmahnung, Austrittsgespräch, von vorn.

Aber was, wenn die Hälfte dieses Ordners gar kein Leistungsproblem ist? Was, wenn es ein Passungsproblem ist, ein Feedbackproblem oder — Sie ahnen es schon — ein Führungsproblem, das den Namen einer Mitarbeiterin trägt?

Hier sind sieben Ansätze für den Umgang mit Minderleistung, die über das übliche Muster aus PIP-und-Hoffen hinausgehen.

Sieben Ansätze jenseits von PIP-und-Hoffen

  1. Erst diagnostizieren, dann verordnen. Wir lieben es, direkt zum „Performance Improvement Plan" zu springen — so wie manche Ärzte direkt zum Skalpell greifen. Bevor Sie auch nur ein einziges PIP-Ziel formulieren, machen Sie eine kurze Diagnose: Ist das ein kann nicht (Kompetenzlücke), ein will nicht (Motivationslücke) oder ein kann hier nicht (Passungslücke)? Jeder Fall braucht eine andere Verordnung. Ein Motivationsproblem mit einer Schulung zu behandeln, ist Hustensaft gegen einen Beinbruch.
  2. Prüfen Sie die Führungskraft, bevor Sie die Mitarbeiterin prüfen. Ein überraschend großer Teil der „Minderleistung" lässt sich auf unklare Erwartungen oder eine Führungskraft zurückführen, die schlicht nicht führt. Bevor irgendein formaler Prozess startet, stellen Sie der Führungskraft drei Fragen: Wie sieht Erfolg aus — schriftlich? Wann haben Sie das zuletzt laut ausgesprochen? Und was haben Sie getan, als es ins Rutschen kam? Vage Antworten bedeuten meist, dass Sie die eigentliche Ursache gefunden haben.
  3. Ersetzen Sie die jährliche Überraschung durch eine Vorwarnung mit 30 Tagen Vorlauf. Nichts untergräbt Vertrauen schneller, als wenn eine Mitarbeiterin erst im Gespräch erfährt, dass sie seit sechs Monaten „unter den Erwartungen" liegt. Hausregel: Kein Leistungsgespräch sollte Neuigkeiten enthalten. Wenn es für sie neu ist, ist das ein Versagen Ihrer Feedback-Schleife — nicht ihres.
  4. Machen Sie den „Tausch-Test", bevor Sie den Verbesserungsplan aufsetzen. Bevor Sie einen PIP formalisieren, fragen Sie: Würde diese Person in einem anderen Team, in einer anderen Rolle, unter einer anderen Führungskraft erfolgreich sein? Manchmal ist die Lösung nicht mehr Coaching — sondern ein anderer Platz. Interne Mobilität sollte Ihre erste Intervention sein, nicht Ihr letzter Ausweg.
  5. Machen Sie Feedback zum Gespräch, nicht zum Urteil. Statt ein Urteil zu verkünden, beginnen Sie mit Neugier: „Erzählen Sie mir von Ihrer Woche — wo wurde es schwierig?" Oft kommen so Hindernisse zum Vorschein, die kein KPI-Dashboard zeigt: ein kaputter Prozess, eine unklare Übergabe, ein Werkzeug, in das niemand sie eingearbeitet hat. Minderleistung ist manchmal nur ein Organigramm-Problem mit menschlichem Gesicht.
  6. Setzen Sie sich selbst eine Entscheidungsfrist. PIPs ziehen sich nicht hin, weil Mitarbeitende mehr Zeit brauchen, sondern weil Führungskräfte die unbequeme Entscheidung scheuen. Geben Sie sich selbst einen festen Kontrollpunkt: Bis Woche sechs haben Sie sich entschieden — weiter coachen, versetzen oder trennen. Unklarheit hat ihren Preis — für die Würde der Mitarbeiterin und für die Moral des Teams.
  7. Schließen Sie jeden Austritt mit einer ehrlichen Manöverkritik ab. Wenn jemand geht, widerstehen Sie der Versuchung, es unter „hat eben nicht gepasst" abzulegen und zur Tagesordnung überzugehen. Fragen Sie, was Sie bei Einstellung, Onboarding oder Führung übersehen haben. Unaufgearbeitete Minderleistung taucht einfach unter einem anderen Namen wieder auf.

Das Fazit

Minderleistung ist nicht immer ein Menschenproblem. Manchmal ist es ein Prozessproblem, ein Platzierungsproblem oder ein Führungsproblem in Verkleidung. Die HR-Führungskräfte, die das richtig machen, sind nicht die mit den strengsten PIP-Vorlagen — es sind die, die bessere Fragen stellen, bevor sie zum Formular greifen.

Bevor Sie diesen Ordner also wieder öffnen, halten Sie bei der einen Frage inne, die das ganze Bild verschiebt: Was ist die überraschendste Ursache, die Sie je hinter einer „Minderleisterin" aufgedeckt haben — und was würde sich ändern, wenn Sie zuerst danach suchten, statt zuletzt?

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